tanzkongress 2009

Tanzkongress 2009

No Step without Movement!

Unter dem Motto „No Step without Movement!“ haben vom 5. bis 8. November in Hamburg rund 200 internationale Referenten in 80 Veranstaltungen den Tanz aus künstlerischer, soziologischer, philosophischer und kulturhistorischer Perspektive beleuchtet. Mit großer Intensität und Leidenschaft diskutierten die Kongressteilnehmer in Salons, Laboratorien, Masterclasses und Arbeitsgruppen neben theoretischen Fragen auch zukunftsweisende Methoden in Choreografie, Training und Ausbildung sowie die nachhaltige Verbesserung von Produktionsbedingungen und Förderstrukturen.

Die mit 3000 Kongressbesuchern überwältigende Resonanz machte deutlich, wie groß das Bedürfnis nach fachlich geführtem Austausch, nach Reflexion und kritischer Auseinandersetzung auf künstlerischer und gesellschaftlicher Ebene ist. Der Tanzkongress als Austauschplattform diente jedoch keineswegs nur Partikularinteressen, sondern deckte ein breites Spektrum ab: von Pädagogik über Kunst bis hin zu Wissenschaft und kultureller Bildung.

In zahlreichen Veranstaltungen wurde betont, dass es als Fortsetzung des Tanzplan Deutschland eine eigenständige nationale Vertretung für den Tanz braucht, die diese Kunstsparte weiterhin in so einzigartiger Weise sichtbar macht und im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert. Zugleich wurde die Politik aufgefordert, die durch den Tanzplan auf kommunaler und Länderebene entstandenen Strukturen zu erhalten, auszubauen und gemeinsam mit den Vertretern des Tanzes weiterzuentwickeln.

Bundestagspräsident Norbert Lammert, der den Kongress eröffnet hatte, erklärte in einer Stellungnahme: „Der große Zuspruch, den der TANZKONGRESS 2009 erfahren hat, spiegelt die Vitalität und Vielfalt der Tanzszene in Deutschland wider und verdeutlicht zugleich den Handlungsbedarf für die Kulturpolitik." Um den Stellenwert des Tanzes in unserer Kulturlandschaft nachhaltig zu stützen, seien langfristige finanzielle und strukturelle Maßnahmen erforderlich, für die nach unserer föderalen Verfassungsordnung vor allem Länder und Kommunen zuständig sind, die der Bund im Rahmen seiner Möglichkeiten fördern und stärken sollte.

Hortensia Völckers, die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes stellte fest, nachdem beim 1. Tanzkongress 2006 das Wissen über Tanz in Bewegung geraten sei, habe sich jetzt gezeigt, wie sehr der Tanz und seine Akteure an Selbstbewusstsein gewonnen hätten. Sie bezeichnete es als die vielleicht wichtigste Aufgabe des Kongresses, die Aufmerksamkeit auf die Anforderungen der Kontinuität zu lenken, damit das Erreichte nicht verloren gehe. Hortensia Völckers ergänzte, die Kulturstiftung des Bundes werde dem Tanz weiterhin große Aufmerksamkeit schenken: „Der Erfolg des Tanzkongresses 2009 stimmt zuversichtlich, dass der Tanz auf gutem Weg ist, einen angemessenen Platz in der Kulturlandschaft und in der Gesellschaft zu finden.“

Die Tanzwissenschaftlerin Gabriele Klein wies in Ihrem Vortrag darauf hin, dass Tanz nicht per se politisch sei, weil er ein körperlich-sinnliches Medium ist. Vielmehr sei er politisch dann, wenn die ästhetische Praxis sich an den Ordnungen, an Normen, Gewohnheiten und Konvention reibt und diese auch verändert. „Tanz ist ein Kernfeld des Politischen, dort wo er mit der Befragung seiner zentralen Kategorien wie Rhythmus, Kraft, Raum, Zeit, Energie, Dynamik und Fluss die kinetischen Grundlagen der modernen Gesellschaft ans Tageslicht bringt.“

Wir hoffen daher, dass durch die auf dem Kongress begonnenen Gespräche, Diskussionen und Initiativen eine größere gemeinschaftliche Bewegung entstanden ist, die die Bedingungen des Tanzschaffens in allen Bereichen nach Innen und Außen langfristig verbessern wird.

Sabine Gehm und Katharina von Wilcke
Kulturstiftung des Bundes

Eine Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit Kampnagel, K3 – Zentrum für Choreographie I Tanzplan Hamburg und dem Zentrum für Performance Studies der Universität Hamburg. Unterstützt von der Behörde für Kultur, Sport und Medien Hamburg und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).